Gedankensprünge

Dieses Format nimmt die Tradition des Salons auf, des anspruchsvollen, geistreichen und diskussionsfreudigen Gespräches.
Die Besucher dieser im Frühjahr 2014 gegründeten Reihe werden an jedem Abend Zeuge eines Gespräches des Initiators der Gedan­kensprünge, des langjährigen WDR 3-Moderators, Journalistens und Grim­me-Preisträgers Michael Rüsenberg, mit Menschen, die fachlich herausra­gende und immer auch anregende Vertreter eines herausfordernden Themas sind. Es geht dabei aber gerade nicht um die gelehrte und abschließende Darstellung eines Themas; im Gegenteil: Hier ist der Moderator nicht schlauer als das Publikum. Wohl kann er gezielt fragen, weil er es in Jahrzehnten im Radio gelernt hat. Wer diesen Abend mit zwei, drei neuen Fragen verlässt, tut dies hochzufrieden.
Die Gedankensprünge-Gäste stammen aus der Philosophie, dem Journalismus, den Sozial- und Neurowissenschaften. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite: www.gedankenspruenge.net.


  • Mi, 17. Juni 2015, 19.30 Uhr

    Wo hat Gott die Seele versteckt? Die Hirnforschung kann sie nicht finden!

    Prof. Dr. Saskia Wendel, Köln
    Wo ist der Sitz der Seele? Der Schriftsteller John Burnside wollte sie jüngst „mit dem Messer suchen“. Der Hirnforscher Gerhard Roth beschreibt in seinem neuen Buch, „Wie das Gehirn die Seele macht“, und der nüchternste Befund kommt von dem Bewusstseinsphilosophen Thomas Metzinger: „Heute wissen wir, dass wir auf Begriffe wie ´Seele´ und ´Selbst´ in der Wissenschaft sehr gut verzichten können.“ Was also bleibt von der Seele? Kann, worauf die Wissenschaft verzichten mag, im Alltag funktionieren? Kann es ein Selbstbewusstsein ohne Seele geben? Eine bessere Diskutantin für diese Fragen ist schwerlich denkbar als Saskia Wendel, Professorin für Systematische Theologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln. Wer sie im „Philosophischen Radio“ (WDR 5) erlebt hat, weiß, was er an Wissen, Witz und Schlagfertigkeit erwarten darf.

    Eintritt für die Gedankensprünge jeweils € 8 (Abendkasse)


     

    Do, 26. 2. 2015, 19.30 Uhr

    Im Reformhaus

    Jürgen Kaube, Frankfurt am Main
    Max Weber war 1919 überzeugt, „dass eine wirklich gute journalistische Leistung mindestens soviel ´Geist´ beansprucht wie irgendeine Gelehrtenleistung“. Als er vor wenigen Wochen zum FAZ-Herausgeber aufrückte, da wurde dieses Zitat auch auf Jürgen Kaube angewandt. Mit Weber, einem der Gründerväter der Soziologie, kennt er sich aus, 2014 hat er eine Biografie über ihn geschrieben, die „unter die Glanzstücke des Genres gerechnet werden muss“ (NZZ). Denke bei Kaube jüngstem Buch aber bitte niemand an Bio: der Titel „Im Reformhaus“ kann auch gedacht werden als „im Tollhaus“. Es geht um Bildungspolitik, die Kaube seit 15 Jahren beobachtet: „In einer Situation, in der die Ideale nicht mehr zu den Gegebenheiten passen, unternimmt er es, eine Antwort auf die Frage zu finden: "Welche Bildung wollen wir?“:


    Do, 19. 3. 2015, 19.30 Uhr

    Wo sind wir, wenn wir Musik hören?

    Prof. Dr. Reinhard Kopiez, HannoverJa, der Titel ist „geklaut“, aus dem berühmten gleichnamigen Essay von Peter Sloterdijk, 1993. GEDANKENSPRÜNGE nimmt die schöne Formulierung zum Anlass, um in einem wissenschaftlichen Rahmen Aspekten des Musikhörens nachzugehen. Und dies mit Hilfe eines Partners, der sicher mehr über Musikrezeption weiß als das Superhirn aus Karlsruhe: Prof. Reinhard Kopiez von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Er leitet dort das „Music Lab“ und hat eine große Zahl an Studien zu diesem Thema durchgeführt Reinhard Kopiez ist nicht nur einer der renommiertesten deutschen Musikpsychologen, er ist auch einer der unterhaltsamsten.Was Sie schon immer über das Musikhören wissen wollten...hier erfahren Sie es.

     

    Do, 9. 4. 2015, 19.30 Uhr

    Georg Forster - Zwischen Freiheit und Naturgewalt

    PD Dr. Jürgen Goldstein
    Jürgen Goldstein, Philosoph aus Koblenz, versteht sich als Hermeneut. Er sei „text- und zitatverliebt“, einer, der der Frage nachgeht: „Wie haben Menschen früher gedacht, und wie kann man das anhand von alten Texten lesbar machen?“ Das ist ihm mit „Die Entdeckung der Natur“ (2013) auf vielgelobte Weise gelungen, einem Panorama der Naturbeschreibung von Petrarca bis Reinhold Messner. Denn Goldstein selbst ist ein begnadeter Erzähler. Nun widmet er dem Schriftsteller, Naturforscher, Zeichner, Übersetzer und Revolutionär Georg Forster (1754–1794) einen eigenen Band.„Niemand ist auf vergleichbare Weise das erfahrungsgetriebene Experiment eingegangen, die Natur mit dem Politischen kurzzuschließen. Die Funken, die Forster aus seinen Leitvorstellungen schlug, erhellten für einen Weltaugenblick die Aussicht, es könne so etwas wie natürliche Revolutionen geben.“

    Do, 28. 5. 2015, 19.30 Uhr

    3 + 2 = Gelb. Kiki + Bouba
    Ein Abend über Synästhesie und Ideasthesie

    Danko Nikolic
    3 + 2 = 5. Manche sehen die Summe auch in der Farbe „gelb“. Sie können Töne sehen und Farben schmecken, sie verknüpfen zwei oder mehr Sinneseindrücke miteinander, sie sind, wie etwa 4 Prozent der Bevölkerung. Komponisten wie Olivier Messiaen und Györgi Ligeti gehören dazu, auch Kandinsky, Baudelaire und Rembrandt. Neuere Forschungen zeigen, dass Synästhetiker nicht einfach nur zwei Sinneseindrücke miteinander verknüpft, sondern dass der Rahmen erweitert werden muss: Wahrnehmung und Denken hängen miteinander zusammen.Das ist das Feld von Danko Nikolic vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/M. Er hat ein wunderbares YouTube-Video zum Thema produziert, worin er u.a. erklärt, warum „kiki“ und „bouba“ kulturübergreifend von allen Menschen gleich verstanden wird: das eine als „spitz“, das andere als „rund“.„Da bei der Synästhesie also nicht zwei Sinneseindrücke verschmelzen, sondern die Bedeutung eines Reizes um besondere Empfindungen erweitert wird, sollten wir wohl besser von `Ideasthesie´ sprechen: Bedeutung wahrnehmen.“

     

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